Leserbrief zum Artikel „Großaufträge zur Sanierung der Muschenrieder Kläranlage“ im Neuen Tag, Ausgabe Landkreis Schwandorf vom 24.04.2023
In der Woche nach Ostern wurden die Einwohner von Muschenried und Haag (MuH) über die Vergaben zur Sanierung der Kläranlage Muschenried-Haag informiert.
Lt. Zeitung liegen die Baukosten bei 1.125.637 € zzgl. Baunebenkosten, also gesamt bei ca. 1,25 Mio.
Nach Abzug der Förderung bleiben noch ca. 1.100.000 €, die auf die Anwesen und die Abwassergebühr umzulegen sind. Da die Anwesen in MuH eher größer sind, wird die Erschließungsgebühr für ein durchschnittliches Anwesen etwa bei 8.000 € liegen, für ein Anwesen in einem Baugebiet etwa 4.500 €. Der Rest wird auf die Abwassergebühr umgelegt.
Richtig teuer (das 3-5fache) für MuH wird es dann, wenn die AWA Winklarn nach Muschenried verlegt wird, obwohl es für die KLA Winklarn viel günstiger wäre die Anlage zu Sanieren. Zudem gibt es viele kostengünstige Möglichkeiten die geklärten Abwässer in ein Fließgewässer einzuleiten.
Kläranlagen sind grob aus nachf. Bauteilen aufgebaut: Vorklärung – Biologie – Nachklärung – Schönungsteich. Bei der KLA MuH ist die Biologie defekt und muss erneuert werden. Alle anderen Bauteile könnten weiterverwendet und weiter betrieben werden.
Das Ingenieurbüro (IB) hat geplant die Biologie mit einer belüfteten Anlage zu erneuern. Ebenso soll die Nachklärung, die nicht defekt ist, neu gebaut werden. Dazu ergeben sich die nachfolgenden Kosten:
Baukosten:
Ursprünglich bestand die Biologie aus einem Tauchkörper der in ein Betonbecken eingebaut war. In das Betonbecken könnte ein neuer Scheibentauchkörper (STK) neuer Generation eingebaut werden, was aber nicht beabsichtigt ist. Die Baukosten für eine neue Biologie als STK wäre wesentlich günstiger herzustellen. Es wären damit Baukosten von ca. 550.000 € zu erreichen. Dies ist leicht zu beweisen, da in Weiding gleiche Verhältnisse vorherrschten wie jetzt in MuH. Hier war die Sanierung der Anlage in 2017 ursprünglich mit 1,4 Mio geplant. Nachdem ich die Anlage vor ca. 25 Jahren geplant habe, habe ich mit der Gemeinde vereinbart mich der Sache anzunehmen. Nach Um- bzw. Neuplanung der Sanierungsmaßnahmen errechneten wir Kosten von ca. 750.000 € zzgl. BNK. Abgerechnet wurden Baukosten von 727.000 € zzgl. BNK. In Weiding war die Besonderheit, dass hier zusätzlich ein neues Regenrückhaltebecken gebaut werden musste. Rechnet man die Kosten für das Regenrückhaltebecken heraus, ergaben sich für die Biologie Kosten von ca. 450.000 €. Addiert man hierzu eine Preissteigerung von 25% seit 2018 ergeben sich für MuH vergleichbare Kosten von ca. 550.000 € zzgl BNK. Um diese Kosten wäre die Anlage für MuH zu sanieren gewesen.
Bei der Sanierung der Anlage mit STK bleiben nach Abzug der Förderung noch ca. 450.000 €, die auf die Anwesen und die Abwassergebühr umzulegen sind. Die Erschließungsgebühr für ein durchschnittliches Anwesen läge damit bei etwa 2.000 €, für ein Anwesen in einem Baugebiet etwas über 1.000 €.
Zusätzlich soll in MuH die Nachklärung neu gebaut werden. Hierzu ist anzumerken, dass die Nachklärung nicht defekt und für MuH problemlos weiter betrieben werden könnte.
Warum hier jetzt etwas Funktionierendes mit erheblichen Kosten abgebrochen und neu aufgebaut werden soll und MuH dafür bezahlen soll erschließt sich nicht.
Betriebskosten:
Die KLA hat aktuell einen Stromanschluss von 20 kW wofür auch das Zuleitungskabel ausgelegt ist. Für die belüftete Anlage müsste lt. Aussage IB die Anschluss-Leistung auf 30 kW erhöht werden.
Eine neue Biologie mit STK benötigt nur halt so viel Strom wie die jetzt geplante Variante. Nachdem die Anschlussleistung auf 30 kW erhöht werden muss, ist davon auszugehen, dass die jetzt geplante Anlage mind. 10 kW Dauerstrom mehr benötigt um die Kompressoren für die Belüftung dauerhaft zu betreiben.
Alle Welt ist peinlich darauf bedacht Stromkosten einzusparen, für MuH geht man den umgekehrten Weg.
Aktuell liegt der Strompreis bei ca. 35 Cent/kW. Es ist, wie in der Vergangenheit anzunehmen, dass sich der Strompreis in 25 Jahren verdoppelt. Daher ist auf 25 Jahre mit einem mittleren Strompreis von 50 Cent/kW zu rechnen, wenn nicht noch höher.
Es ergibt sich daher auf 25 Jahre nur für den Mehrstromverbrauch der vom IB geplanten Anlage:
10 kW * 24 h = 240 kW/Tag * 50 Cent = 120 €/Tag = 43.800 €/Jahr = 1.095.000 € in 25 Jahren
Zusätzlich ist anzumerken, dass bei diesem System nach ca. 12,5 Jahren die Kompressoren getauscht werden müssen: weitere ca. 75.000 €
Das sind dann auf 25 Jahre mehr Betriebskosten von 1,1 Mio zu einer STK.
Der aktuell niedrige Preis für die Abwassergebühr von 0,92 €/m³ wird dann nicht mehr möglich sein. Ich gehe davon aus, dass sich der Preis pro m³ dann um mind. 2,50 € auf wohl 3,50 € erhöhen wird, da ja ca. die Hälfte der Baukosten auch noch auf den Abwasserpreis aufgeschlagen werden muss.
Mit einer Zusammenführung der Bau- und Betriebskosten nach LAWA hätte das wirtschaftlichste und preiswerteste System klar herausgearbeitet werden können. Hätte das IB eine solche Berechnung erstellt, hätte das WWA diese Anlage lt. Handbuch Teil B RZWas 2021, Seite 15, Zu Nrn. 4.1 und 4.2 – Prüfung auf Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit nicht genehmigen dürfen.
In Weiding wurden und in Stadlern werden aus den o.g. Gründen STKs gebaut, leider nicht in MuH.
Bzgl. der immensen Stromkosten wird wohl die Überlegung kommen, jetzt noch eine Fotovoltaikanlage anzuschaffen. Weil die Anlage auch nachts und im Winter laufen muss, wäre dann eine sehr große Fotovoltaikanlage mit sehr großem Stromspeicher erforderlich, wofür dann wohl nochmal 500.000 € aufzuwenden wären. Diese Überlegung ist also eine Sackgasse sonst hätten das auch schon andere gemacht.
In Weiding wurde alles richtiggemacht, maximal geringe Baukosten, maximal geringe Betriebskosten.
Die Weidinger haben sich zur ursprünglichen Planung nachweislich 650.000 € Baukosten gespart und sparen sich in 25 Jahren über 1 Mio an Betriebskosten.
Albert Krämer, Muschenried